Freitag, Juli 25, 2008

Kein bisschen down!

Über den wunderschönen Artikel von Christina Stefanou in der August/September-Ausgabe der größten Stuttgarter Elternzeitung "Luftballon" habe ich mich natürlich riesig gefreut! :-)



Kein bisschen down!

Zum Glück gibt es Emails und SMS – es ist nämlich gar nicht so einfach, mit Conny Wenk einen Interviewtermin zu vereinbaren. Sie ist ein Paradebeispiel, wenn es um Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht. Bei ihr geht es aber zwischen Fotoshootings, Schreibtisch, Kindergeburtstag, Windpocken, Haushalt und Partner auch um Initiative und Einsatz für ein ganz wichtiges Thema in ihrem Leben. Seitdem vor sechs Jahren ihre Tochter Juliana geboren wurde, hat sich ihr Leben komplett umgekrempelt, wie sie sagt. Juliana hat ein Chromosom mehr als der Durchschnittsmensch, 47 statt 46, genannt Down-Syndrom.

„Damals dachte ich, ich würde nie wieder lachen und glücklich sein können!“ Wer sie heute trifft, kann sich das keine Sekunde lang vorstellen, so strahlend und ansteckend fröhlich kommt sie einem entgegen. Wie die meisten betroffenen Eltern, hatten auch Conny Wenk und ihr Mann außer stereotyper Klischeebilder damals keinerlei Vorstellung, was auf sie zu kommen würde. „Mongoloide Idiotie“ stand in einem veralteten medizinischen Fachbuch, das man ihr nach der Diagnose im Krankenhaus in die Hand drückte. „Da war von Herzfehlern, die Rede, von Leukämie und Krankenhausaufenthalten, nichts, was uns irgendwie weitergeholfen hatte,“ erinnert sie sich an die ersten Tage nach Julianas Geburt. „Da gab es keine unbeschwerten Bilder von süßen Babys, die mit ihren Eltern schmusen oder von kleinen Kindern, die auf dem Spielplatz toben, nichts wovon Eltern träumen, wenn sie ein Kind bekommen.“

Nach ein paar Wochen der Unsicherheit, wie das Leben jetzt weitergehen würde, entschließt sich Conny Wenk in die Offensive zu gehen. Sie trifft andere Eltern mit Kindern, die auch ein Chromosom mehr haben, erlebt ausgelassene, fröhliche Familien, die sich kein bisschen von anderen Familien unterscheiden. Dort gibt es Geschwisterzank, durchs Zimmer tobende Kinder, gelegentliche Trotzanfälle, Kuscheln, Neugierde, Fröhlichkeit - warum auch nicht? „Es gibt so viele Vorurteile in der Gesellschaft gegenüber Menschen mit Behinderungen. Wir wollten zeigen, dass das Leben anders ist“, gemeinsam mit anderen Eltern gründet sie den Verein 46PLUS-Down Syndrom Stuttgart. In Plakatkampagnen und Postkarten mit witzig-flotten Sprüchen und schönen Bildern heißt es „Down? Von wegen!“

Ihr Hobby, das inzwischen zum Beruf geworden ist, hilft dabei. Wie kann man die Schönheit und Heiterkeit von Kindern besser zeigen als durch Bilder. Conny Wenk fotografiert - zunächst vor allem Töchterchen Juliana, Freunde komme dazu. Irgendwann entsteht die Idee, alles in einem Buch festzuhalten. 2004, kurz vor der Geburt ihres Sohnes Nicolas, ist es fertig. In „Außergewöhnlich“ erzählen Mütter von Kindern mit Down-Syndrom kleine Begebenheiten, reden über das Glück mit ihrem Kind. Conny Wenk hat mit ihrer Kamera Momente der Lebensfreude festgehalten. Sie hat die schönen Fotos gemacht, nach denen sie damals gesucht hat. „Das Buch hat eine Lawine ausgelöst. Ich bekam bergeweise Post und Emails von Familien, die sich bedankt haben, weil das Buch ihnen Mut gemacht hat“, beschreibt sie die Reaktionen, mit denen sie selber gar nicht gerechnet hatte.

Eine Idee bringt die nächste mit sich: Für 46Plus macht sei einen Fotokalender. Sie porträtiert 14 Kinder mit 14 Prominenten aus Baden-Württemberg. Mit dabei Fernseharzt Walter Sittler, Unternehmer Reinhold Würth, Schauspielerin Maria Furtwängler, Entertainer Harald Schmidt u.v.m. Aus den Fotos wurde eine Ausstellung, die inzwischen durch Kliniken, Familienbildungsstätten und Beratungsstellen in ganz Deutschland tourt. Bis 2009 ist sie bereits ausgebucht.

Dann gilt es ein Versprechen einzulösen. „Als das Buch mit den Müttern fertig war, fragte mich ein Vater ,und wir?´ Ich versprach, dass in meinem nächsten Buch die Väter mit ihren Kindern im Mittelpunkt stehen.“ Entstanden ist wieder eine wunderschöne Zusammenstellung persönlicher Erlebnisse und sehr gefühlvoller Bilder von Vätern mit ihren Kindern.

Eines aber bringt Conny Wenk richtig zum Kochen: wenn Menschen unüberlegt daherreden. „Unsere Kinder leiden nicht am Down-Syndrom“, sagt sie, „das einzige unter dem sie leiden sind die Vorurteile der Gesellschaft! Aber wir arbeiten daran!“ und vor ihren Augen hat sich sicher schon das nächste Projekt.

Christina Stefanou
Infos und Kontakt http://www.46plus.de/, http://www.connywenk.com/
Buchtipp: Conny Wenk, Außergewöhnlich: Väterglück, Verlag: Paranus Verlag 2008 ISBN-10: 3940636002, 19,80 Euro


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